Liesel sucht nach einer Idee, und plötzlich hat sie eine gefunden. Britta, Frederick und Liesel sitzen am Tisch. Liesel nimmt das Brot, das Flümi essen soll in die Hand, und hält es in Höhe ihrer Augen, so dass Flümi das Brot angucken muss. Dann sagt Liesel zu Flümi „haben?“, „haben?“, „haben!“ Bei „haben!“ gibt sie Flümi das Brot. Liesel macht das immer wieder - „haben?“ haben!“ sagt sie und gibt Flümi etwas. Flümi hat bei „haben“ keine Angst mehr vor Deutsch, und „haben“ ist das erste Spiel zwischen Liesel und Flümi.
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Als Flümi zum ersten Mal „haben“ gesagt hat, haben sich alle gefreut und gelacht. Flümi hat sein erstes Wort Deutsch gesprochen. Liesel sagt: „Das Jahr hat 365 Tage, und ich will Flümi jeden Tag ein Wort erklären. Dann kann Flümi schon bald Deutsch verstehen und gut sprechen“. Liesel hängt jetzt immer ein Wort an „Brot haben“, „Milch haben“, „Tasse haben“.......Und so lernt Flümi Deutsch. Jetzt bekommt Flümi die Krankheit Ungeduld. Er nimmt Liesel an die Hand und zeigte ihr „haben!“ immer wieder.

Flümi ist groß geworden. Als Flümi noch ein Baby war, haben die Menschen immer nur wenige Worte gesagt. Jetzt sprechen die Leute zu ihm mit viel deutsch. So viel sprechen und verstehen kann Flümi doch noch nicht, und mit viel Deutsch denken, kann er auch noch nicht. Flümi überlegt, wie er sich helfen kann. Er hat eine Idee, er tut einfach so, als ob er nicht hinhört. Liesel weiß, dass Flümi nur wenig Deutsch verstehen kann und erklärt Flümi alles mit Worten, die er schon gelernt hat Liesel sagt, das ist genauso wie im Radio. Liesel kann nicht viel Englisch, und wenn sie das alles verstehen will, braucht sie einen Erklärer. Jetzt ist Liesel Flümis Erklärer. Sie erklärt in Flümis Sprache, was die anderen Leute erzählen. Flümi verlässt sich darauf, dass Liesel der Erklärer ist. Wenn andere Menschen etwas sagen, tut Flümi so, als ober das nicht hört. Flümi hört das aber, und er merkt sich viel. Aber da Flümi nicht verstehen kann, was die Leute meinen, kann er sich nur den Satz merken. Flümi will immer mehr deutsch lernen und merkt sich fast alles Deutsch, was er hört. Britta hat als Baby Deutsch langsam ausprobiert und da sie noch so klein war, haben die Leute ihr auch Zeit gelassen.

Flümi ist aber schon ein großer Junge, und alle denken, ein großer Junge kann schon viel Deutsch verstehen und sprechen. Dass Flümi ein Kind ohne viel Deutsch ist, kann niemand sehen.Flümi lernt viel Deutsch, aber Liesel kann ihm das alles nicht so schnell erklären. Er hat ja nur Liesel als Erklärer. Er hat auch noch nicht gelernt, wie man fragen kann. Britta kann ihm auch nicht immer helfen. Flümi hat auch noch das Schutzschild, er guckt die Leute nicht an, wenn sie mit ihm sprechen. So kann Flümi auch nicht lernen, was die Leute für ein Gesicht machen und was die Leute zeigen. Flümi kann jetzt Lieder mit Texten singen und viel sprechen. Aber verstehen kann er Bild9immer noch wenig. Liesel kann das so erklären: Flümi hat nicht Deutsch gelernt, sondern Musik. Musik ist kein Deutsch, und so konnten sich Flümi und Liesel nicht unterhalten. Britta hat Deutsch gelernt und konnte sich deshalb mit Liesel unterhalten. Liesel will Englisch lernen. Sie hat englische Lieder angehört, aber Liesel kann den Text nicht verstehen. Und weil Liesel nicht nachfragen kann, kann sie nur die Melodie lernen. Wenn Liesel nur Melodien lernt, kann sie nicht Englisch verstehen lernen und auch nicht mit anderen Menschen sprechen.

Flümi hat das besonders schwer, weil er nicht hinguckt und auch noch nicht fragen kann. Er kann alles Deutsch nachsprechen, aber nur Deutsch nachsprechen, ist „Quatsch“ sagt Liesel. Das muss doch alles stimmen und passen. Flümi und Liesel brauchen viel Geduldtee, wenn sie Ordnung in das „Mus“ bekommen wollen. Liesel sagt, bei Flümis „Mus“ ist alles durcheinander. Aber wir haben 365 Tage Zeit, und da können wir viel Ordnung schaffen. Flümi hat schon viel gelernt, aber das können die anderen Menschen nicht sehen. Er kann ganz genau Töne und Geräusche unterscheiden und genau hinsehen. Er kann sofort sehen, wenn im Haus etwas anders ist oder im Buch ein Fleck oder irgend etwas verändert ist. Er kann Buchstaben unterscheiden und will unbedingt lesen lernen.